Politics

Wie Donald Trump im Schatten der Waffenlobby: „Hat sein Versprechen gehalten“


Strengere Gesetze gefordert: Nach Amoklauf rät Trumps Lieblingssender zu mehr Bewaffnung

Der Amoklauf in Uvlade im US-Bundesstaat Texas schockiert. Der Ruf nach strengeren Gesetzen wird lauter. Doch in den USA fordern Gegner mehr bewaffnetes Personal an Schulen. Auch der ehemalige Präsident Donald Trump mischt bei der Diskussion mit – als Ehrengast einer Feier der Waffenlobby.

Für Links auf dieser Seite erhält FOCUS Online ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit gekennzeichnete. Mehr Infos

“Immer wenn solche Morde passieren, wollen Politiker ein Politikum daraus machen”, klagte der republikanische Senator Ted Cruz nach dem Amoklauf in der texanischen Grundschule in Uvalde. Schärfere Waffengesetze seien aber keine Lösung, so der Texaner: “Demokraten und viele aus den Medien wollen dann als Sofortlösung die Verfassungsrechte von gesetzestreuen Bürgern einschränken. Das funktioniert nicht.”

Nach Amoklauf rät US-Sender zu mehr Bewaffnung

19 Grundschüler und zwei Lehrer der Robb Elementary School kamen beim Amoklauf eines 18-Jährigen ums Leben. Der Täter hatte kurz nach seinem Geburtstag legal Schusswaffen gekauft. 30 Minuten vor der Tat postete er seine Mordpläne auf Facebook. Berichten früherer Mitschüler zufolge war er häufig gemobbt worden.

“Ein psychisch Kranker”, hieß es umgehend beim republikanerfreundlichen und Trump-nahen „Fox News“-Kanal, wo Experten den Zuschauern erklärten: Um solche Fälle künftig zu verhindern, müsse man besser bewacht – und vor allem besser bewaffnet sein.

Aktienkurse von Waffenherstellern schossen in die Höhe

Diese Haltung entspricht dem Mantra der amerikanischen Waffenlobby NRA (National Rifle Association): Nur ein guter Mensch mit einer Waffe könne einen bösen Menschen mit einer Waffe aufhalten. Also würden nicht weniger, sondern mehr Waffen zu mehr Sicherheit führen, wiederholt die NRA unaufhörlich. Ihr oberstes Gebot: Der zweite Zusatzartikel von 1791 aus der Verfassung ist unantastbar. Das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen darf in keinster Weise verändert werden.

„Sie kranker Bastard“: Als Demokrat in Pressekonferenz platzt, kommt es zum Eklat

Zwar belegen Umfragen: Eine Mehrheit von 60 Prozent aller Amerikaner befürwortet stärkere Background-Kontrollen für Waffenkäufer – vor allem bei Maschinengewehren und Schnellfeuerwaffen. Dennoch wagt es kaum ein Republikaner, der mächtigsten Lobby im Land den Kampf anzusagen.

Einen Tag nach dem Amoklauf in Texas schossen US-Aktienkurse von Waffenherstellern in die Höhe. Aus Angst vor möglichen Einschränkungen kaufen Amerikaner nach Massenschießereien für gewöhnlich mehr Waffen. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden in den USA über zwei Millionen Schusswaffen verkauft, so eine Statistik der University of Chicago. In nahezu 50 Prozent aller US-Haushalte gibt es derzeit Waffen.

Demokraten wollen schärfere Kontrollen

Nach der Massenschießerei trat Präsident Joe Biden an die Öffentlichkeit: ”Warum?”, fragte er. “Warum lassen wir das immer wieder zu? Wann in Gottes Namen werden wir der Waffenlobby die Stirn bieten?”

Er erinnerte auch an den Amoklauf an der Sandy Hook-Grundschule vor knapp zehn Jahren. Bei der Massenschießerei in Connecticut starben zwanzig Kinder und sechs Lehrer. Seitdem gab es 948 weitere Schießereien an amerikanischen Schulen.

“Nirgendwo sonst auf der Welt passiert das”, so Biden weiter. “Seit zwanzig Jahren vermarkten die Waffenhersteller aggressiv ihre Angriffswaffen, die ihnen die größten Profite bescheren. Wir müssen in Gottes Namen den Mut finden, es mit der Industrie aufzunehmen.”

(Anzeige)

Donald Trump: Die wahre Geschichte seiner Präsidentschaft

Die Demokraten im Senat kündigten unmittelbar nach dem Amoklauf eine Gesetzesabstimmung für Donnerstag an, um schärfere Kontrollen für Waffenkäufer zu erzwingen. Republikaner im Abgeordnetenhaus blockieren dies seit Jahren.

Donald Trump ist Ehrengast bei Waffenlobby-Feier

In einer Rede bekundete Senatsminderheitsführer Mitch McConnell den trauernden Familien sein Beileid und dankte den texanischen Einsatzkräften. Zu Aufrufen seiner demokratischen Kollegen nach schärferen Waffengesetzen wollte sich der Republikaner nicht äußern. “Die Herzen der gesamten Nation sind gebrochen”, sagte er – mehr Worte gebe es dazu nicht.

“Bitte, bitte, bitte, verdammt nochmal, versetzt euch doch nur einmal in die Lage dieser Eltern”, flehte der Demokrat Chuck Schumer und bat seine republikanischen Kollegen, sich ihre Kinder oder Enkel in ähnlichen Schießereien vorzustellen.  

Auch sein Appell schien wenig zu bewirken. Zu schärferen Waffengesetzen in anderen US-Staaten konterte Texas’ Gouverneur Greg Abbott: “Es tut mir leid das sagen zu müssen, aber in Chicago werden jedes Wochenende mehr Menschen erschossen als in texanischen Schulen.” Der Republikaner hatte erst 2021 ein Gesetz durchgesetzt, wonach zum Tragen von Handfeuerwaffen in Texas keine Lizenzen mehr nötig sind.

 

Morgen wird Abbott mit Senator Cruz nach Houston weiterreisen, um dort eine Feier für Waffenanhänger zu besuchen. Beim mehrtägigen Führungsgipfel der NRA werden zahlreiche republikanische Spitzenpolitiker erwartet. Ehrengast der Waffenlobby-Festivitäten: Donald Trump.

Der ehemalige Präsident soll die Feierlichkeiten der amerikanischen Waffenverfechter einleiten, steht auf der Webseite der NRA. “Es ist uns eine wahre Ehre, Präsident Trump zum sechsten Mal bei unserem Führungsforum zu begrüßen”, so der NRA-CEO Wayne LaPierre. “Trump hat seine Versprechen gehalten und Richter eingesetzt, die die Verfassung schätzen und damit die Freiheit von Generationen von Amerikanern sichergestellt. Die NRA-Mitglieder danken ihm für seine Unterstützung, das Recht auf Waffenbesitz weiterhin in Kraft zu halten.”

 

Mehr zum Amoklauf in einer Grundschule in Texas:

US-Senator Chris Murphy hat entsetzt auf das Massaker an einer Grundschule im Bundesstaat Texas reagiert und bewegende Worte an seine Senatskollegen gerichtet.

Der 18-jährige Täter von Texas schrieb vor seinem Massaker an einer Grundschule eine wildfremden Frau auf Instagram. Das Mädchen machte die Nachrichten selbst öffentlich – und fragt sich, ob sie mehr hätte tun können.

„Wann in Gottes Namen bieten wir der Waffenlobby die Stirn?“





Source link

Leave a Reply

Your email address will not be published.