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Selbstliebe: Evelyn Weigert gibt Tipps, um sich selbst zu akzeptieren


Evelyn Weigert bezeichnet sich selbst als bunten Hund. Ihre Fans lieben sie für ihre offene Art, die sie an den Tag legt. Jetzt ist die Moderatorin, Podcasterin und Influencerin auch unter die Autorinnen gegangen. Ein Gespräch über Selbstliebe, Instagram und Vulven.

Warum fällt es uns Ihrer Meinung nach so schwer, uns selbst zu lieben?

Evelyn Weigert: Wir werden die ganze Zeit von außen getriggert – gerade auch heutzutage über Social Media. Das macht es einfach unwahrscheinlich schwer, den Fokus bei sich zu lassen und sich nicht zu vergleichen. Wenn der eigene Körper nicht so perfekt ist oder man eben nicht so erfolgreich ist, wird es oft noch schwieriger, sich selbst zu lieben – schließlich scheinen ja alle anderen einen großartigen Körper oder super Jobs zu haben.

Andere betrachten uns oft viel liebevoller als wir selbst das können.

Zwischen der Selbst- und der Fremdwahrnehmung ist häufig ein großer Unterschied. Wir behandeln uns selbst meist am schlechtesten. Mir fällt es immer wieder auf, wenn ich mich mit Freundinnen über ihre vermeintlichen Problemzonen unterhalte. Sie meckern zum Beispiel darüber, wie doof ihre Beine aussehen, während ich denke, dass sie superschön aussehen. Zu uns selbst sind wir leider meist am strengsten. Man sieht sich selbst auch mit anderen Augen.

Sie beschreiben in Ihrem Buch, dass Sie schon in Ihrer Grundschulzeit die Situation anders gesehen haben als sie vielleicht war.

Ich wurde in der Grundschule von zwei Mädchen gemobbt und hatte das Gefühl, dass niemand mit mir etwas zu tun haben wollte. Dabei berichtete mir meine Mutter später, dass bei uns oft Kinder angerufen haben und mit mir spielen wollten. Ich es allerdings ablehnte. Ich wollte immer zu diesen beiden Pferdemädchen gehören – eine Clique haben. Doch sie wollten einfach nichts mit mir zu tun haben. Das fand ich schade. Man hat auch schon als Kind eine Vorstellung davon, was normal, gut oder cool ist. Und man will zu den normalen und coolen Kindern gehören. Und ich war eben auch schon in der Schulzeit ein bunter Hund.

In einem Kapitel Ihres Buches widmen Sie sich Vulven. Eine Freundin sagte in der Oberstufe zu mir: “Eigentlich sind Geschlechtsteile voll hässlich und eklig.” Woher kommt diese Scham?

Ich habe erst die Tage an einem Stand im Mauerpark Seifen in Form einer Vulva gekauft und mich darüber gefreut. Und habe in der Situation gemerkt, dass ich langsam meine Vorstellung, dass eine Scheide wie ein kleines Milchbrötchen aussehen muss, über Bord geworfen habe. Das hat aber ziemlich lange gedauert. Mein Mann hat es gar nicht verstanden, dass sich Frauen für das Aussehen ihrer Vulva schämen. Er meinte, dass er auch mit Freunden noch nie darüber gesprochen habe, dass eine Vulva komisch aussehe. Ich weiß es auch nicht so richtig, warum das so ist. Für mich kann ich aber sagen, dass ich auch nach der Geburt von zwei Kindern wirklich meinen Frieden mit meiner Vulva gemacht habe und sie richtig schön finde.

Wurden Sie als Mutter schon oft mit Vorurteilen und Klischees konfrontiert?

Gott sei Dank ist mir das bisher sehr selten passiert. Ich muss auch sagen, dass ich mich sehr stark unter Druck setze als Mutter und denke, dass ich alles allein machen muss. Und Arbeit und Kinder unter einen Hut zu bringen, ist wirklich eine Herausforderung. Ich lerne jeden Tag wieder aufs Neue, was ich leisten kann und was nicht. Aber von außen habe ich zum Glück noch nicht viele Vorurteile abbekommen, dafür bin ich sehr dankbar, weil ich von Freundinnen weiß, wie verletzend das sein kann.

Wie entspannt waren Sie denn, als sich Ihr Körper durch die Schwangerschaften verändert hat?

In der Schwangerschaft war ich mega entspannt – auch wenn ich mich beim Blick auf die Waage manchmal schon über das Gewicht gewundert habe. Aber ich habe es zelebriert. Nach der Geburt war ich aber etwas geplättet, dass nicht alles, was ich zugenommen hatte, auch direkt wieder weg ist. Auch wenn ein 33 Kilo Baby natürlich utopisch wäre. Mein Körper hat sich geändert und ich bin gerade dabei, Freundschaft mit meinem neuen Körper zu schließen. Es gibt aber Tage, wenn ich vor dem Spiegel stehe und denke, dass sieht nicht so aus, wie ich es mir vorgestellt habe. Für mich gehört es zur Selbstliebe dazu, dass ich meinen Körper an ein paar Tagen mal nicht mag.

Selbstliebe ist also auch eine lebenslange Aufgabe.

Ich glaube, das ist sehr individuell. Mir tut es sehr gut, meinen Körper mit Humor zu nehmen. Ich mache dann komische Posen vor meiner Familie und meinen Freunden und lache darüber. Das ist für mich eine Art Therapie, um mich in meinem neuen Körper zu akzeptieren. Ich finde, das Wort Selbstliebe baut auch Druck auf. Es ist das Coolste auf der Welt, wenn man sich selbst lieben kann, aber das braucht Zeit und viel Reflexion.

Auf Social Media steht Ihr Profil und viele andere für Body Positivity. Finden Sie das ist eine gute Bewegung? Oder setzt es Menschen unter Druck, weil sie denken, dass sie ihren Körper immer gut finden müssen?

Ich sage immer, man muss gar nichts – höchstens glücklich sein. Ich fühle mich im Moment in meinem Körper auch nicht in Topform, doch ich mache zum Beispiel auch keinen Sport, um es zu ändern. Alles in allem finde ich meinen Körper dann doch so ok, wie er ist. Wenn ich mich damit auseinandersetze, merke ich auch, dass ich mich in der einen Situation gut fühle und in der nächsten nicht gerne in meiner Haut stecke. Ich glaube, man muss auch etwas die Ernsthaftigkeit rausnehmen – am Ende ist es eben auch nur ein Körper.

Cover

Evelyn Weigert (2022): “Peace, Bitches!: Nimm dich, wie du bist – mehr brauchst du nicht. Selbstliebe einmal anders”, Ullstein Verlag, 240 Seiten, 11,99 Euro.

© Ullstein Verlag

Sie plädieren dafür, dass Frauen sei es beim Dating oder beim Sex mehr auf sich achten sollten.

Ich glaube man muss einfach merken, wie unnötig viele Sachen sind. Wenn ich daran denke, was ich früher beim Dating für eine Show abgezogen habe, finde ich es nur noch traurig und peinlich. Es bringt nichts, sich zu verstellen. Wenn ich mich nur die ganze Zeit verstelle, kann ich nicht viel erwarten. Für mich ist Reflexion sehr wichtig. Leider sind wir alle zu uns selbst am strengsten, deswegen ist es wichtig, dass wir lernen, uns auch zu verzeihen. Über Selbstzweifel mit Freunden und Familie zu sprechen, hilft mir zum Beispiel sehr gut.

Wenn Sie auf Ihr Buch und ihre Arbeit blicken, was ist der wichtigste Ratschlag, den Sie geben können?

Am Ende des Tages ist immer alles Fake. Nichts, was man auf Instagram sieht, ist nicht inszeniert. Egal, wie authentisch ein Instagram-Account ist, macht sich die Person, die etwas postet, Gedanken darüber, was sie teilt und was nicht. Ich zeige auf Instagram viel und poste ehrliche Fotos – aber ich nehme nicht das schlimmste Bild.

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