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Mit einem Ablenkungsmanöver sorgte die Ukraine für den Durchbruch im Osten


Plötzliche Offensive gegen Russland: Mit einem Ablenkungsmanöver sorgte die Ukraine für den Durchbruch im Osten

Die Russen hätten gedacht, die Ukrainer würde ihre Gegenoffensive starten, doch nun erzielen sie enorme Geländegewinne im Osten. Das sei so geplant gewesen, sagen ukrainische Spezialkräfte nun. Die groß angekündigte Offensive im Süden sei ein Ablenkungsmanöver von der echten im Osten gewesen.

Die Ukraine hat nach weitere Geländegewinne in der östlichen Region Charkiw gemacht und am Samstag die strategisch wichtige Stadt Kupjansk, sowie auch die Stadt Isjum zurückerobert. Innerhalb weniger Tage gewann die Ukraine mehr als 1000 Quadratkilometer Gebiet zurück – ein Drittel der gesamten besetzten Region Charkiw. Stimmen auf den sozialen Netzwerken sprechen von der stärksten Gegenoffensive seit dem zweiten Weltkrieg.

„Russland dachte, die Offensive würde im Süden sein“

Dabei hatte die Ukraine ihre Offensive Ende August zunächst für die Region Cherson im Süden angekündigt – erst Tage später war auch von derartigen Bestrebungen im Osten des Landes die Rede. Ukrainische Spezialkräfte haben nun zugegeben, dass die groß präsentierte Gegenoffensive im Süden eine Desinformationskampagne war, um von der eigentlichen Offensive im Osten abzulenken. Diese soll seit Monaten vorbereitet gewesen, heißt es.

Taras Berezovets, ein ehemaliger nationaler Sicherheitsberater und aktueller Presseoffizier der Bohun-Brigade der ukrainischen Spezialkräfte, erklärt gegenüber
dem britischen „Guardian“
: „Russland dachte, die Offensive würde im Süden sein und verlegte seine Ausrüstung dorthin. Dann fand die Offensive nicht im Süden statt, sondern dort, wo sie es am wenigsten erwartet hatten, was sie in Panik versetzte und zur Flucht veranlasste.“

 

Russen verlegten Truppen nach Cherson – dann kamen die Angriffe in Charkiw

Auch in der Region Cherson haben die Ukrainer in den letzten Tagen immer weitere Dörfer eingenommen. Diese unterschieden sich zwar nicht maßgeblich von vereinzelten Gelädegewinnen im Juli und Anfang August, doch präsentierten die Ukraine es als großen Gegenschlag. Eine Sprecherin des ukrainischen Südkommandos hatte sogar Journalisten verboten an die Front zu kommen.

Angesichts der groß angesagten Offensive schickte der russische Generalstab 1300 tschetschenische Soldaten in die Region. Teilweise seien auch Ausrüstung und Personal aus Charkiw nach Cherson verlegt worden sein, so Berezovets. So erklärt Berezovets: „In der Zwischenzeit wunden unsere Männer in Charkiw mit den besten westlichen, vor allem amerikanischen, Waffen ausgestattet.“

Am Samstag eroberten Ukrainer dann wichtige Städte Kupjansk und Isjum

Die großen Geländegewinne erzielten die ukrainischen Streitkräfte dann in Charkiw. Die Russen wurden von den Ukrainern im Osten überrascht, analysierte das britische Verteidigungsministerium. „Ukrainische Truppen rücken im Osten der Ukraine vor und befreien weitere Städte und Dörfer“, erklärte Außenamtssprecher Oleh Nikolenko am Samstag in Kiew. Am Freitagabend hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits die Rückeroberung von 30 Städten und Dörfern in der Region Charkiw verkündet.

Am Samstag gelang es den ukrainischen Streitkräften dann, die für den Nachschub der russischen Truppen wichtige und schon zu Beginn des russischen Angriffskriegs besetzte ostukrainische Stadt Kupjansk zurückzuerobern. In Onlinediensten veröffentlichte Aufnahmen zeigten am Samstag zudem offenbar ukrainische Soldaten in der Stadt Isjum, die ebenfalls zuvor in russischer Hand war.


 

„Russische Front steht jetzt an Nord- und Südflanke unter Druck“

Nach ukrainischen Angaben rückten ukrainische Truppen am Samstag zudem auf die östliche Stadt Lyssytschansk vor, die russische Soldaten im Juli nach erbitterten Kämpfen eingenommen hatten. Doch auch im Süden rückten die Ukrainer weiter vor. In einigen Regionen sollen sie Dutzende von Kilometer in russisch besetzte Gebiete vorgedrungen sein, bestätigte eine Militärsprecherin am Samstag. „Da die ukrainischen Operationen auch in Cherson weitergehen, steht die russische Verteidigungsfront sowohl an der Nord- als auch an der Südflanke unter Druck“, hieß es von britischen Verteidigungsministerium.

Moskau reagierte auf die Verluste im Osten mit einer „Neuaufstellung“ seiner Truppen. Unter dem Druck ukrainischer Gegenoffensiven hat Russland den Rückzug von Truppen im Osten der Ukraine bekanntgegeben. Soldaten sollten aus dem Gebiet Charkiw etwa aus der strategisch wichtigen Stadt Isjum abgezogen werden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Samstag in Moskau.

Moskau rückt Truppen ab – und spricht von „Neugruppierung“

Auch aus der Stadt Balaklija, die die Ukrainer schon in der vergangenen Woche als befreit gemeldet hatten, sollen die russischen Truppen demnach abrücken. Offiziell begründet wurde der Abzug damit, dass durch die Umgruppierung die Einheiten im angrenzenden Gebiet Donezk verstärkt werden sollen. Nur einen Tag zuvor hatte Moskau dagegen eine Verstärkung seiner Truppen in der Region Charkiw angekündigt.

Der neue ukrainische Vorstoß könnte Russlands Möglichkeiten erheblich einschränken, seine Stellungen an der ukrainischen Ostfront mit Nachschub und logistischer Unterstützung zu versorgen. Russland könnte gezwungen sein, sich vollständig aus der Region Charkiw zurückzuziehen.

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al/mit AFP





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