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Maren Gilzer: Glücksfee und Dschungelkönigin will Bürgermeisterin werden


Vom Show-Business in die Politik: „Kampf gegen Windmühlen“: Dschungelkönigin Maren Gilzer will Bürgermeisterin werden

Sie war Buchstabenfee, Dschungelkönigin und Schauspielerin. Nun will Maren Gilzer in einer kleinen Gemeinde an Berlins Stadtrand Bürgermeisterin werden. Hauptamtlich, ohne Verwaltungserfahrung. Das Ex-Model ist sich des „Kampfes gegen Windmühlen“ bewusst, sagt sie im Gespräch mit FOCUS Online. Doch das hält sie nicht von der Kandidatur ab.

Das letzte Mal, dass Maren Gilzer auf besondere Art für Schlagzeilen sorgte, war 2015. Unter dem Motto „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ verspeiste das Ex-Mannequin aus Berlin unter anderem ein Krokodilpenis-Menü beim „Dschungelcamp“ im australischen Busch. Die Ego-Schlammschlacht in der grünen Hölle auf der anderen Seite des Globus lief für Gilzer jedoch so gut, dass sie als „Dschungelkönigin“ nach Deutschland zurückkehrte.

In normalen Bahnen, soviel steht fest, ist das Leben der 61-Jährigen selten verlaufen. Nach ihren ersten Schritten als Model, das für Couturiers wie Karl Lagerfeld und Wolfgang Joop über Laufstege tigerte, wurde sie bundesweit bekannt als erste „Glücksfee“ bei der Sat.1-Sendung „Glücksrad“. Zehn Jahre lang bestand ihre Aufgabe in dieser prominentesten deutschen Spielshow als Assistentin hauptsächlich darin, Buchstaben umzudrehen. Ende der 90er hatte sie dann genug von Auftritten in stummer Schönheit – und sattelte auf die Schauspielerei um. 20 Jahre lang trat sie in diversen TV-Produktionen auf, darunter bei „Tatort“, „Traumschiff“ und “In aller Freundschaft”.

 

Vom “Traumschiff” in ein kleines Rathaus der Provinz

Beim jüngsten Coup, den Maren Gilzer plant, geht es hingegen eigentlich nur noch ums Reden. Ohne Spotlight, ohne TV, weder auf Laufstegen noch in irgendwelchen Promi-Camps für Trash-Shows, sondern in einem kleinen, unscheinbaren Provinz-Rathaus. Am 23. Januar kandidiert Gilzer für das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters der Verwaltungsgemeinschaft Oberkrämer in Brandenburg, gleich neben Hennigsdorf im Nordwesten an der Grenze zur Hauptstadt gelegen.

Dieses im Vergleich zu ihren vorherigen Jobs spektakulär unspektakuläre Abenteuer begann vor vier Jahren, erzählt Gilzer FOCUS Online. Anlass war die bevorstehende Schließung des Flughafens Berlin-Tegel. „Ich bin damals viel geflogen, habe Tegel geliebt, im Auto fast bis ans Gate, überall kurze Wege, wunderbar. Eine Bürgerinitiative suchte seinerzeit prominente Fürsprecher. Das habe ich sehr gern gemacht – auch wenn das Thema am Ende trotz über 200.000 Petitionsunterstützern niemanden von den politisch Verantwortlichen mehr interessiert hat.“

 

Kurz vor der Bundestagswahl 2017 sei sie dann zu einer FDP-Veranstaltung in Potsdam eingeladen worden, auf der Parteichef Christian Lindner und dessen spätere Generalsekretärin Linda Teuteberg sprachen. „Da war ich wirklich beeindruckt. Vieles von dem, was sie sagten, lag genau auf meiner Linie. Daher bin ich dann auch sofort in die Partei eingetreten.“ Seit einem Jahr ist sie auch Mitglied im FDP-Ortsverband Hennigsdorf, wo sie sofort Vize-Chefin wurde.

Maren Gilzer: Was Schwarzegger kann, das kann sie auch

Die Idee, als Bürgermeisterin das Rathaus von Oberkrämer zu erobern, sei nicht einmal ihre gewesen, so Gilzer. „Uwe Münchow, Chef vom Kreisverband Oberhavel, kam im vorigen Jahr irgendwann auf mich zu und sagte mir: ‚Du, der Bürgermeister von Oberkrämer geht in Rente. Du kannst doch so toll mit Menschen umgehen, bist gut im Moderieren auch in schwierigen Prozessen. Da könnte ich mir Dich gut vorstellen.‘”

Nach ersten Gesprächen mit Bürgern in Oberkrämer, “denen genau wie mir das Mitspracherecht für Infrastrukturprojekte fehlen”, habe sie nicht lange gefackelt und die Herausforderung “trotz fehlender Verwaltungskenntnis angenommen – frei nach dem Motto: Im Bundestag sitzen ebenfalls viele neue Abgeordnete ohne Amtskenntnisse und regieren sogar Deutschland!”. Dass Schauspieler erfolgreich in die Politik wechseln können, habe Arnold Schwarzenegger als Gouverneur von Kalifornien bewiesen.

 

“Ich will Vermittler zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik sein”

Für sie sei diese Herausforderung „ein bisschen wie Schicksal“ auf sie zugekommen, umschreibt sie die Genesis dieses Projekts. Zwar fehle es ihr an Erfahrung in Verwaltungsdingen. Doch für Fachfragen, meint Gilzer, gebe es ja schließlich Fachleute in den einzelnen Verwaltungsbereichen. Das, worauf es ihr ankomme, sei vor allem, als Vermittler zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik zu agieren. „Die Verwaltung muss viel transparenter werden, darf Bürger nicht mehr abkanzeln, sondern muss stärker auf sie zugehen, sie ernstnehmen mit ihren Anliegen und dafür sorgen, dass alle Unklarheiten ausgeräumt und Probleme effizient gelöst werden.“

Zu oft habe sie bei Projekten von Bürgerinitiativen oder auf Bürgerversammlungen miterleben müssen, dass zwischen Worten und Taten der Verwaltung eine Riesenlücke klaffe, die die Bürger ratlos und verärgert zurückließ. „Die will ich beseitigen. Dafür stehe ich.“

Und auch die Tatsache, dass sie selbst nicht in Oberkrämer lebe, müsse nicht unbedingt ein Nachteil sein. Ganz im Gegenteil: „Zum einen bin ich dadurch neutral und unvoreingenommen gegenüber allen sieben Orten der Gemeinde, zum anderen kann mir so keiner “Klüngel & Vetternwirtschaft” vorwerfen.”

 

Maren Gilzer: “Dachte, Bürgermeister ist ein unentgeltliches Ehrenamt”

Dass so mancher der 12.000 Einwohner in Oberkrämer ihre Kandidatur skeptisch sieht, verwundert sie indes nicht. „Es ist schon ein Mega-Kampf gegen Windmühlen, das stimmt. ‘Die hat doch nur Buchstaben umgedreht’, ‘Sie will doch nur noch mehr Kohle’ sind Dinge, die ich immer wieder höre. Dabei wusste ich bis vor kurzem noch nicht mal, dass diese Position ein hauptamtlicher Bürgermeister ist; ich dachte, dies sein ein unentgeltliches Ehrenamt.”

An ihrer Kandidatur werde dies jedoch nichts ändern. „Ich empfinde diese Aufgabe wirklich als eine Art Berufung, Dinge positiv zu verändern. Viele Bürger sind inzwischen politikverdrossen und beschweren sich massiv. Doch selbst aktiv werden die wenigsten. So würde ich gerne diese Aufgabe übernehmen, weil ich weiß, dass ich das kann.” Sie habe viele Kontakte, die sie positiv für die Gemeinde einbringen könne.

Dass sich bei ihr viele jüngere Oberkrämer immer wieder in den vergangenen Jahren beschwert hätten, dass in der Verwaltung „viele Dinge schlecht oder viel zu langsam“ liefen, habe sie zusätzlich bestärkt, sich nun einem ganz anderen Bereich zu widmen als dem Showbusiness.

Wahlkampf mit dem “Maren-Mobil”

Die Vorbereitungen für den Wahlkampf laufen, erzählt Maren Gilzer, Anfang Januar gehe es dann los mit ihrem „Maren-Mobil“. So hat sie ein Wohnmobil getauft, dass sie zur fahrenden Wahlkampfzentrale umfunktionieren wird.

Sieben Auftritte in allen sieben Gemeindeteilen seien geplant, bei denen sie ihr Wahlprogramm vorstellen und mit den Bürgern ins Gespräch kommen will. Und für den Fall, dass ihre Politikerkarriere aufhören sollte, bevor sie überhaupt begonnen hat, macht sie sich ebenfalls keine Sorgen. „Ich habe in Hennigsdorf auch ohne Politik genug zu tun.“

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