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„Kein Geprotze“: Putin verfolgt mit Kinschal-Rakete eine teuflische Taktik


Sie ist der ganze Stolz Wladimir Putins. Die Hyperschallrakete „Ch-47M2 Kinschal“. „Kinschal“ heißt auf Russisch Dolch. Der zynische Nato-Codename für die Kinschal lautet AS-24 Killjoy.

Der Marschflugkörper fliegt mit bis zu zehnfacher Schallgeschwindigkeit – also rund 12.000 km/h – und ist dennoch gut manövrierbar. Darin unterscheidet sich die Kinschal von bisherigen Interkontinentalraketen. Gleichzeitig ist sie zu schnell für die gegnerische Luftabwehr.

Laut Putin sind seine Kinschals „unbesiegbar“. Mit der Entwicklung hätte Russland einen Vorsprung vor den USA, die bisher noch in der Testphase solcher Raketen seien.

Zum Vergleich: Herkömmliche Überschall-Raketen, wie etwa die französische ASMP-Lenkwaffe, erreichen nur ein Viertel des maximalen Tempos von Putins Hyperschall-Rakete Kinschal.

Einsatz von Hyperschall-Raketen nur „symbolischer Akt“ Putins?

Als Trägerflugzeuge dienen der Abfangjäger MiG-31K und der Überschallbomber Tu-22M3M. Die Kinschal wird in der Luft ausgeklinkt und beginnt dann ihren Hyperschallflug zu ihrem Ziel am Boden. Putin könnte sie auch mit einem Nukleargefechtskopf bestücken lassen. Die Reichweite beträgt maximal 2000 Kilometer und verlängert sich je nach dem, wie weit sie von ihrem Träger befördert wird. Von Kaliningrad nach Berlin sind es etwas über 500 Kilometer Luftlinie. Nach Paris oder London rund 1500 Kilometer.

Am 19. März gab das russische Verteidigungsministerium bekannt, dass die Armee das Kinschal-Raketensystem bei einem Angriff auf ein unterirdisches ukrainisches Munitionsdepot im Dorf Deljatyn bei Iwano-Frankiwsk erfolgreich eingesetzt habe.

Ob es für dieses Bombardement unbedingt Putins Hyperschall-Dolche benötigt hätte, bezweifeln nun manche Experten. Für Christoph Mölling von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik kommen für den Kinschal-Einsatz der Russen drei mögliche Gründe in Betracht. „Vielleicht haben sie ihr Arsenal an anderen Raketen schon ziemlich weit aufgebraucht“, so Mölling gegenüber „Spiegel Online“. Der zweite mögliche Grund: Russland „will der Nato zeigen, was es kann“. Und der dritte: Der Einsatz der Waffe „war ein symbolischer Akt, um die Medienschlacht zu gewinnen“. Russland wolle schlicht Angst verbreiten und sich womöglich als stärker inszenieren, als es ist. Alles also nur reines Geprotze?

Kujat: „Gegen Hyperschall-Raketen keine Möglichkeit zur Verteidigung“

Heftigen Widerspruch zu diesen drei Thesen gibt es von Harald Kujat, dem ehemaligen Generalsinspekteur der Bundeswehr. Kujat zu FOCUS Online: „Der Einsatz der Hyperschall-Raketen wie Kinschal ist kein Geprotze, wie manche vermuten. Nein, Putin hat dafür handfeste Gründe: Die Russen müssen nun die ukrainische Taktik kontern. Die ukrainische Armee zieht sich in die Städte zurück und will die Russen in den verlustreichen Häuserkampf zwingen. Die russische Armee hingegen will ihre Verluste gering halten und beschießt die Städte mit Artillerie und strategische Ziele mit Raketen hoher Reichweite – etwa mit Iskander- oder eben jetzt auch mit Kinschal-Raketen.“

Gegen Hyperschall-Marschflugkörper, so Kujat, gebe es derzeit keine Möglichkeit zur Verteidigung, was auch zuletzt der Top-General der USA, Glen David Van Herck, zugeben musste. Russland verfügt mit Kinschal, Zirkon oder Awangard über mindestens drei Hyperschall-Systeme. Bei der Abwehr dieser Hyperschall-Waffen steckten die USA noch in der Entwicklung, so Ex-Generalinspekteur Kujat.

„Das Teuflische an den Kinschal-Raketen ist der Dreiklang aus hoher Geschwindigkeit, Manövrierbarkeit und niedriger Flughöhe“, sagt Kujat: „Und auch mit einem konventionellen Gefechtskopf entwickelt sich wegen der zusätzlich hohen kinetischen Energie eine fürchterliche Zerstörungskraft. Wie viele die Russen davon haben, wissen wir nicht.“

Angeblich arbeitet das russische Militär zudem an einem nuklearen Antrieb für ein neues Hyperschall-System. Damit wären Flugdauer und Reichweite praktisch unbegrenzt.

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