Politics

Ex-General: „Wenn Selenskyj das sagt, ist die Situation sehr ernst“


Nach dem gescheiterten Versuch, die ukrainische Hauptstadt Kiew einzunehmen, schlagen die russischen Truppen nun vor allem im Osten des Landes zu. Klaus Wittmann, Brigadegeneral a.D. der Bundeswehr, hofft im Interview mit der „
Welt
“, „dass die Ukraine standhält“. Aber auch er sagt: „Der Druck der russischen Streitkräfte wird stärker“.

Ex-General Wittmann: In sieben Tagen mehr Gebiete erobert als in sieben Wochen

Bereits 90 Prozent der ukrainischen Region Luhansk seien unter russischer Besatzung, die russische Feuerkraft sei der ukrainischen weit überlegen. Das sei auch die entscheidende Schwäche der ukrainischen Truppen. „Wenn Präsident Selenskyj sagt, der Druck wird größer, ist die Situation sehr ernst“, so Wittmann. In den letzten sieben Tagen hätten die Russen mehr Raum gewonnen als in den letzten sieben Wochen.

Er appellierte auch an die Bundesregierung, die Ukraine rasch mit schweren Waffen im Kampf gegen Russland auszustatten. „Wenn man etwas wirklich will, dann kann man es zustande bringen“, so der General a.D. Die Entscheidung, die Ukraine militärisch stärker zu unterstützen, hätte bereits im März gefällt werden können.

Heftige Kämpfe um strategisch wichtige Stadt

Aktuell versuchen die russischen Truppen die strategisch wichtige Industriestadt Sewerodonezk einzunehmen. Es gebe „bereits Kämpfe in den Vororten“, erklärte Gouverneur Gajdaj in Online-Netzwerken. „Die russischen Truppen sind bereits so nahe herangerückt, dass sie Mörsergranaten abfeuern können.“

Moskau hatte die Offensive rund um Sewerodonezk in den vergangenen Tagen massiv ausgeweitet. Die Stadt und ihre Nachbarstadt Lyssytschansk sind die letzten Orte in der Region Luhansk, in der die Ukraine noch Widerstand gegen die russischen Truppen leistet.

Auch Kiew räumt russische Erfolge ein

“In einigen Richtungen haben die russischen Gruppierungen zweifellos taktische Erfolge, das ist im Prinzip auch kein Geheimnis”, sagte Olexander Motusjanyk, Sprecher des Verteidigungsministeriums, in Kiew. Es sei aber nicht richtig, von einem ukrainischen Rückzug zu sprechen. Die ukrainische Armee versuche, ihre Position zu verbessern, um dann wieder anzugreifen. „In dem Gebiet gibt es viele Siedlungen, die von Hand zu Hand gehen. Die Situation ist sehr dynamisch.“

Nach Angaben der ukrainischen Präsidentschaft wurden in der Region Donezk zwölf Menschen durch „extrem starken Beschuss und Angriffe“ getötet. Die südukrainische Stadt Saporischschja sei von mehreren russischen Marschflugkörpern getroffen worden, hieß es weiter. Ein Mensch sei getötet und mehrere Häuser seien beschädigt worden.

Um seine Herrschaft in bereits eroberten Gebieten im Süden der Ukraine zu festigen, kündigte Moskau an, die Bewohner der Regionen Saporischschja und Cherson in einem vereinfachten Verfahren mit russischen Pässen auszustatten. Staatschef Wladimir Putin unterzeichnete einen entsprechenden Erlass am Mittwoch. Kiew warf Moskau daraufhin „kriminelles“ Verhalten vor. “Die illegale Ausstellung von Pässen ist eine Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine sowie der Normen und Prinzipien des humanitären Völkerrechts”, erklärte das ukrainische Außenministerium.

Auch interessant:

 
Militär-Experten zerlegen russischen Strategiewechsel: „Kein Durchbruch bisher“

Die russische Armee ändert ihre Angriffsstrategie im Donbass. Statt die ukrainischen Soldaten großflächig einzukreisen, konzentrieren sich Putins Truppen auf einzelne Einkesselungen. Nun hat die Denkfabrik „Institute for the Study of War“ den Strategiewechsel analysiert und erwartet keine größeren militärischen Durchbrüche.

 





Source link

Leave a Reply

Your email address will not be published.