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„Cold Response“: Wladimir Putin feuert weiter und Nato zeigt „eisige Antwort“


Eisige Kälte, das offene Nordmeer, meterhoher Schnee: Inmitten des norwegischen Spätwinters findet in diesen Tagen die größte Militärübung der Nato in diesem Jahr statt. Bei „Cold Response“ (kalte Antwort) sind rund 30.000 Soldaten aus 27 Nationen, 200 Flugzeuge und 50 Schiffe im Einsatz.

Auch Deutschland beteiligt sich und hat unter anderem das Kriegsschiff „Berlin“ sowie seine 200-köpfige Besatzung geschickt. Unter arktischen Bedingungen soll dabei trainiert werden, einem Angriff auf die Nordflanke der Nato zu trotzen.

Die offizielle Manöver-Beschreibung auf der Webseite der Nato liest sich auf den ersten Blick indes wie ein abenteuerliches Survival-Training für Soldaten:

„In den kommenden Wochen werden Streitkräfte der Alliierten und ihrer Partner durch die weite Wildnis ziehen, Feuerübungen durchführen, in eiskalte Seen springen und vieles mehr. Es geht darum, lebenswichtige Fähigkeiten zu trainieren, sicherzustellen, dass unsere Streitkräfte auf jede Bedrohung oder Krise vorbereitet sind – um unsere Länder und Menschen zu schützen.“

Wladimir Putin und die „Cold Response“: Den Mechanismus der unvermeidlichen Reaktion demonstrieren

Auf offiziellen Aufnahmen des Manövers sind auch Soldaten der so genannten Einsatzgruppe mit sehr hoher Einsatzbereitschaft der Nato Response Force (NRF) zu sehen. Diese erstmals in der Nato-Geschichte aktivierte Eingreiftruppe aus Boden-, Luft- und Seestreitkräften kann innerhalb kürzester Zeit verschiedene militärische Operationen durchführen. In Rena, rund 200 Kilometer nördlich der norwegischen Hauptstadt Oslo, simulieren die beteiligten Soldaten einen Angriff auf das Nato-Bündnis auf einem Truppenübungsplatz.

Die Nato hält die „Cold Response“-Übung üblicherweise alle zwei Jahre ab. Doch 2022 ist alles anders. Nur wenige hundert Kilometer entfernt liegt die russische Grenze; dahinter befindet sich aus westlicher Sicht seit gut drei Wochen ganz klar: Feindesland. Der Truppenaufmarsch im hohen Norden: Er ist auch ein deutliches Signal der Stärke an den Aggressor Putin.

„Vor dem Hintergrund des unvorhersehbaren Verhaltens der russischen Behörden demonstrieren diese Übungen den Mechanismus der unvermeidlichen Reaktion“, analysiert der Russland-Experte Kiril Avramov von der Universität Austin, Texas. Zudem sei „Cold Response“ eine wichtige Möglichkeit, „Finnland und Schweden – die Russland nahe stehen und eine schwierige Beziehung zu ihm haben – zu versichern, dass die Nato nicht tatenlos zusehen wird“.

Krieg in der Ukraine gefährlich nah an Nato-Territorium: Bis hierhin und nicht weiter

In der öffentlichen Kommunikation über das großangelegte Manöver übt sich die Nato indes in Zurückhaltung. Immer wieder wird betont, dass es sich bei dem Manöver um keine Reaktion auf Russlands Angriff auf die Ukraine handle. Das mehrwöchige Manöver sei bereits lange vor Invasion geplant gewesen. Die russische Regierung wurde nach NATO-Angaben darüber informiert und auch eingeladen, Beobachter zu schicken. Doch Moskau lehnte ab.

Admiral Rob Bauer, Chef des Nato-Militärausschusses, macht keinen Hehl daraus, welche Bedeutung das Manöver in diesen bewegten Tagen hat. „Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ist es noch wichtiger geworden, dass wir uns auf den Ernstfall vorbereiten und auch das Unerwartete erwarten“, so der Niederländer. Es gehe um „glaubwürdige Abschreckung“. Die Botschaft, die sich bei Putin verfangen soll: Wenn du auf die Idee kommst, über die Ukraine hinaus ein Nato-Mitglied anzugreifen, sind wir bereit. Bis hier hin, aber nicht weiter.

Mit dem russischen Angriff auf eine Militärbasis unweit der polnischen Grenze ist Putins Krieg in dieser Woche bedrohlich nahe an Nato-Territorium gerückt. Umso wichtiger ist es für das Militärbündnis nun, den Fall der Fälle zu proben. „Wir haben nach dem russischen Überfall auf die Ukraine bewiesen, dass der innere Zusammenhalt der Allianz intakt ist, mit Truppen hinterlegt wurde – und auch mit dem Willen, sie im Ernstfall einzusetzen“, sagte General Jörg Vollmer, Kommandeur im operativen Nato-Hauptquartier, im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“.

Keine Störaktionen von Russland: Hat Putin die „kalte Antwort“ verstanden?

Gleichzeitig mahnt der Nato-General angesichts der Eskalation: „Wir alle wissen, dass wir längst nicht adäquat ausgestattet sind. Derzeit sind wir zu stark darauf angewiesen, dass wir die Verstärkung bekommen aus den USA.“

Dennoch ist der Aufmarsch an Nato-Truppen beispiellos in der Geschichte des Militärbündnisses. Insgesamt wurden seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine mehr als 100.000 Soldaten in Bereitschaft versetzt. Täglich überwachen 130 Flugzeuge den Luftraum in Osteuropa, rund 200 Kriegsschiffe patrouillieren in Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeer und im Schwarzen Meer.

Auffällig auch jetzt bei der Abhaltung von „Cold Response“ in Norwegen: Anders als bei früheren Militärmanövern schaltet sich Russland diesmal nicht mit gezielten Provokationen und Störaktionen ein. Die kalte Antwort des Westens – sie scheint anzukommen in Moskau.





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