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24h Nürburgring – Ludwig: Schönster Tag der letzten zehn Jahre


Was bedeutet dir diese Pole, nachdem dieses Kunststück deinem Vater insgesamt bereits sechsmal (Rekord) beim 24h-Rennen Nürburgring gelungen ist?
Luca Ludwig ringt sichtlich um Fassung und holt nach etlichen Sekunden tief Luft: Ich muss aufpassen, dass ich nicht weine. Es ist ein sehr, sehr emotionaler Moment.

Den es nach dem schweren Unfall bei der Qualifikation am ersten Mai-Wochenende um ein Haar nicht gegeben hätte, oder?
Luca Ludwig: Ja, denn das Auto war irreparabel beschädigt.

Wie kam es dazu?
Luca Ludwig: Bei doppelt geschwenkten gelben Flaggen ist Jesse Krohn (BMW-Werksfahrer, d. Red.) meinem Teamkollegen Simon Trummer ins Heck gerauscht. Davon wurde er überrascht, ist abgeboben und (im Streckenabschnitt Pflanzgarten, d. Red.) frontal in eine Leitplanke eingeschlagen.

Ist es ein Wunder, dass ihr trotzdem am 24h-Rennen teilnehmen könnt?
Luca Ludwig: Nein, denn am Mittwoch nach dem Quali-Rennen ergab sich die Möglichkeit, aus dem Produktionsprozess (das Auto war ursprünglich für ein anderes Team bestimmt) ein neues Chassis zu bekommen. Das wurde dann vom Team innerhalb von knapp zwei Wochen aufgebaut. Der Rollout hat am Dienstag dieser Woche stattgefunden.

Heute hast du nicht nur dich selbst beschenkt, sondern auch das Team für ihren tollen Job…
Luca Ludwig: Ja, gestern haben wir noch feinjustiert und einige Kleinigkeiten geändert, weil ich mit der Performance nicht ganz zufrieden war. Ich fahr leider nicht viele Rennen, aber ist habe mit Goodyear im Winter viel getestet und glaube, ich weiß wie das Auto funktionieren und an welchen Stellschrauben richtig gedreht werden muss. Heute hat es dazu gereicht, den Reifen perfekt ins Arbeitsfenster zu bekommen, was ausschlaggebend für die gute Zeit war.

Wie perfekt war die Runde tatsächlich?
Luca Ludwig: Ich glaube, dass es nicht mehr viel Luft nach oben gab. Vielleicht hätte ich irgendwo noch ein paar Zehntel herausholen können – mit Harakiri und ganz, ganz viel Eiern.

Erklär bitte mal, wie diese Zeit mit dem Goodyear- und nicht beispielsweise einem Michelin- oder Pirelli-Reifen möglich war?
Luca Ludwig: Der Goodyear ist gut, das sage ich ja schon seit Jahren. Das können dir auch andere Teams, die mit Goodyear viel getestet haben, bestätigen. Der Reifen war sicher nicht immer so gut, aber gemeinsam haben wir Fortschritte gemacht und sind ihn schon im letzten Jahr gefahren. Ich war fest davon überzeugt, dass solch eine Zeit möglich ist.

Und wie sieht es mit dem Regenreifen aus?
Luca Ludwig: Regen, vor allem Dauerregen, das sollte tatsächlich nicht passieren, da müssen wir ehrlich zu uns selbst sein. Für uns wäre das ganz sicher nicht gut.

Apropos Reifen: Habt ihr genügend Slicks zur Verfügung?
Luca Ludwig: Ja, das sollte der Fall sein.

Sollte?
Luca Ludwig ausweichend: Es regnet doch sowie…

Wie gut ist der Ferrari bezüglich seiner Zuverlässigkeit?
Luca Ludwig: Wir erwarten keine Überraschungen, aber es kann natürlich immer etwas passieren. Grundsätzlich sollte es keine Probleme geben und das Auto genauso zuverlässig sein wie die beispielsweise ein Mercedes-AMG.

Würdest du mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass ihr ohne technische Probleme oder Unfälle keine Chance habt, das Rennen zu gewinnen…
Luca Ludwig: Ja, weil das Gesamtpaket unseres Privatteams insgesamt nicht gut genug ist im Vergleich zur werksunterstützten Konkurrenz, die zudem noch zulegen wird! Aber über all das mache ich mir gar keine Gedanken. Heute war mein Tag, der bleibt für mich für die Ewigkeit und ich kann immer sagen, ich bin bei diesem Rennen auf die Pole Position gefahren, was mich sehr stolz macht!

Könnte dieser Tag bezüglich deiner zukünftigen Karriere ein Besonderer sein, denn eigentlich müsste jetzt permanent das Telefon wegen eines möglichen Werksvertrags bei dir klingeln?
Luca Ludwig lacht: Ach ja, aber ich bin doch schon ein alter Mann. Im Ernst: Ich zeige meiner Meinung nach seit einigen Jahren gute Leistungen auf diesem Niveau und heute hat endlich einmal alles zusammengepasst. Ich kann solche Entscheidungen nicht beeinflussen, denn letztendlich ist das alles doch Politik.

Klaus Ludwig: “Schönster Tag in den letzten zehn Jahren”

Noch stolzer als Luca Ludwig selber war sein Vater, Ring-König Klaus Ludwig. Im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com machte der dreimalige Nürburgring-Gesamtsieger, Le-Mans-Gewinner und DTM-Champion daraus auch keinen Hehl.

“Das ist der schönste Tag in den letzten zehn Jahren. Ich freue mich riesig für Luca. Seine heutige Leistung war absolut fehlerfrei, genial – einfach perfekt! Leider kann Luca an diesem Wochenende nur einmal glänzen und das ist an diesem Freitagabend.”

Ohne es direkt anzusprechen, ist klar, was Ludwig sr. damit meint. Würde Sohn Luca den Start fahren und ihn anschließend zwei oder drei Ferrari-Werksfahrer unterstützen, könnte sich das Privatteam berechtigte Chancen auf einen Podiumsplatz ausrechnen.

Für Klaus Ludwig gibt es einen klaren Favoriten: “BMW, BMW und noch einmal BMW. Sollten deren Teams Probleme bekommen, dürfte Manthey zur Stelle sein. Der Porsche ist und bleibt ein ganz ernstzunehmendes Auto – vor allem mit dieser Besetzung!”



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